Karlsfelder Modell

Welche Besonderheiten hat das Schulmodell 9 + 2?

Idee des Modellkonzepts 9 + 2 in Karlsfeld

An unserer Schule war seit 2003 ein sogenannter M – Zug installiert, eine Möglichkeit an der Hauptschule den Mittleren Schulabschluss abzulegen. In insgesamt fünf Jahren haben knapp 50 Schüler die Klassen M 7 – M 10 durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen. Der Mittlere Schulabschluss ist der Mittleren Reife an der Realschule zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig. Das bedeutet, dass beide Prüfungen eigentlich den gleichen Wert haben müssten, allerdings die Prüfungen und besonders die Unterrichtsinhalte sich extrem unterscheiden. M 10 – Schüler haben am Arbeitsmarkt im Grunde die gleichen Chancen, die Realität sieht leider anders aus. Realschulabsolventen werden in vielen Fällen bevorzugt.

Das war der Grund, weshalb das Kollegium der MS Karlsfeld dieses Modellprojekt ins Leben gerufen hat. Ein zweiter gewichtiger Aspekt ist der Übergang auf die Fachoberschulen (FOS). Gerade der technische Zweig ist für einen M 10 – Absolvent kaum zu schaffen, da er große Defizite in den Fächern Mathematik und Physik hat, ebenso fehlt gänzlich das Fach Chemie. Besonders mangelt es an vertieften Sprachkenntnissen in Englisch, die auf dem Arbeitsmarkt unentbehrlich sind.

Wenn also wieder eine 10te Klasse an unserer Schule eingeführt werden sollte, dann war klar, es muss die Möglichkeit bestehen die „echte“ Mittlere Reife zu erreichen! Darauf haben wir reagiert und die Stundentafel (Fächer und deren Stundenzahl) verändert.

Ausgestaltung des Schulmodells 9 + 2

Der Terminus 9 + 2 bedeutet, dass alle Schüler den Mittleren Schulabschluss nicht nach einer 10ten Klasse ablegen, sondern ein 11tes Schuljahr anhängen. Das hat den großen Vorteil, dass für die Bearbeitung des Unterrichtsstoffs, und damit der Prüfungsvorbereitung die doppelte Zeit verfügbar ist. Positiver Effekt: Der Zeitdruck, der gerade in der M 10 groß ist, wird entschärft. Trotzdem bleibt zu bedenken, dass es eine größere Stofffülle zu bearbeiten gilt: unser Lehrplan für die Klassen 10 MOD und 11 MOD beinhaltet nämlich alle Teile aus der Realschule sowie der M 10 der Hauptschule.

Wie schon angesprochen, werden Vorteile beider Schularten kombiniert: Ziel ist dabei die Mittlere Reife (und damit eine höherwertige Schulbildung) bereichert durch die Vorteile des Hauptschulsystems:

  • Klassenlehrerprinzip: ein Lehrer ist hauptverantwortlich für die Klasse und deren Belange, unterrichtet auch die Kernfächer Mathematik und Deutsch. Somit ist ein enger Kontakt zu den Schülern möglich und eine intensive Begleitung im Lernprozess.
  • Veränderte Stundentafel: die „MOD – Schüler“ haben in den beiden Jahren 12 Wochenstunden Deutsch, 12 Wochenstunden Mathematik sowie 12 Stunden Englisch. Hinzu kommt die wöchentliche Intensivierungsstunde pro Jahr! Das bedeutet pro Woche 19 Stunden Unterricht in den prüfungsrelevanten Kernfächern.
  • Berufsorientierung: die Schüler haben ein Praxisfach gewählt (Technik oder Soziales), in dem 3-stündig unterrichtet wird. Ziel ist dabei eine intensive Heranführung an die Arbeitswelt in dem jeweiligen Bereich (z.B. durch Praktika). In den beiden Jahren werden in der Schule und an Praxistagen in Betrieben Inhalte aus Lehrberufen angebahnt und teilweise direkt erfahren. Kooperationen mit potenziellen Arbeitgebern in der Region (MTU, MAN, Krauss-Maffei, Franziskuswerk Schönbrunn, Karstadt, … ) sind im Aufbau oder bereits vereinbart.
  • Intensive Förderung in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch durch Lehrkräfte der RS Dachau. Diese kommen jeweils zusätzlich zwei Stunden bzw. vier Stunden wöchentlich (Englisch bedarf der besonderen Förderung), um Leistungsgruppen zu bilden und möglichst individuell auf alle Schüler eingehen zu können. Diese Lehrer haben ebenso an der Erstellung des Konzepts und der Lehrpläne mitgewirkt.
  • Intensive Wiederholungsphase zu Beginn des Schuljahres: Hier haben die Schüler in mindestens sieben Wochen (in Englisch sogar bis Weihnachten!) die Möglichkeit ihren Wissensstand zu überprüfen und zu vertiefen, da in den Hauptfächern Grundwissen aus den Klassen 8 und 9 nochmals aufgefrischt wird.
  • Einbindung der Schüler und Eltern ist vertiefter möglich (allein wegen der Klassenstärke: ca. 20 Schüler!). Lernstandsgespräche und regelmäßige Elternkontakte können somit Teil des Schulkonzepts sein.

 An wen richtet sich dieses Schulmodell?

In der Klasse 10 MOD haben sich Schüler verschiedenster Schularten angemeldet. Welche Beweggründe dafür sprechen, muss sicher im Einzelfall betrachtet werden.

Zusammengefasst kann gesagt werden:

  • Schüler mit gutem Qualifizierendem Abschluss haben nach der Mittelschule eine attraktive Möglichkeit einen Mittleren Schulabschluss auf Realschulniveau zu erhalten. Sie brauchen sicher das eine Jahr mehr, um Rückstände aufholen zu können.
  • Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache, die aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse an der Realschule Schwierigkeiten haben. - Schüler von Realschule oder Gymnasium, die mehr Zeit benötigen, um Inhalte zu durchdringen. Diese Zeit wird ihnen durch das 11. Schuljahr gegeben.
  • … und natürlich an alle, die neugierig geworden sind auf das Karlsfelder Modell (im Übrigen in ganz Bayern einzigartig!!!) und an der Ausgestaltung mitwirken wollen. Modell kommt bekanntlich von modellieren, etwas formen. Wir, d. h. die Schüler, Eltern und die Schule haben somit eine einzigartige Möglichkeit, das Projekt Karlsfelder Modell mit Leben zu füllen!



 

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